Der 1990 gegründete Müritz-Nationalpark befindet sich im Süden Mecklenburg-Vorpommerns und ist der größte terrestrischeNationalpark der Bundesrepublik. Der Park erstreckt sich über die zwei räumlich getrennten Gebiete der Mecklenburgischen Seenplatteund eines Teiles der Feldberger Seenlandschaft. Der westliche größere Teil ist das Teilgebiet Müritz, der kleinere östliche Teil wird Teilgebiet Serrahn genannt. Zwischen den Teilgebieten liegt im Wesentlichen das Stadtgebiet von Neustrelitz.
Der insgesamt 322 km² große Nationalpark ist zu 72 Prozent von Wäldern und zu 13 Prozent von Seen bedeckt; acht Prozent des Gebietes sind Moore und fünf Prozent Wiesen und zwei Prozent Äcker.
Landschaftsprägend war die Weichseleiszeit vor etwa 15.000 Jahren. Die Gletschermassen der Pommerschen Hauptendmoräne hinterließen Findlinge, Zungenbecken, Rinnen und zahlloseToteislöcher. Letztere sind heute als Seen und Sölle überall in der Landschaft verstreut.
Insgesamt gibt es im Nationalpark 100 Seen und unzählige kleinere Stillgewässer. Die Müritz ist mit einer Fläche von 117 Quadratkilometern das größte Gewässer, das vollständig innerhalb Deutschlands liegt.
Das Teilgebiet Müritz umfasst vor allem das östliche Hinterland der Müritz. Außer der Müritz, die nur zu kleinen Teilen im Nationalpark liegt, sind größere Gewässer im westlichen Teil der Feisnecksee, Rederangsee, Specker See und Woterfitzsee. Einige Seen am Ostufer der Müritz waren auf Grund von Wasserstandsschwankungen durch Mühlenstaue und der Regulierung der Elde zeitweise Teil der Müritz.
Die höchste Erhebung im allgemein flacheren Müritzer Teil ist der Käflingsberg mit100,3 m ü. NN. Hier befindet sich mit dem Käflingsbergturm ein kombinierter Aussichts-, Feuerwacht- und Mobilfunksendeturm.
Das Teilgebiet Serrahn umfasst den östlichen Teil des Nationalparks und befindet sich im Übergang zwischen der Mecklenburgischen Seenplatte zur Feldberger Seenlandschaft. In dem waldreichen hügeligen Teil des Nationalparks gibt es mit dem Großen Fürstenseer See, dem Schweingartensee und dem Zwirnsee größere Seen. Diese sind jedoch nicht so landschaftsprägend wie im Westteil. Das Teilgebiet Serrahn wird vom Naturpark Feldberger Seenlandschaftumschlossen.
Im Teilgebiet Serrahn befinden sich mit dem Hirschberg (143,7 m ü. NN ) und dem Warsberg (143,2 m ü. NN) die höchsten Erhebungen im Nationalpark. Weitere bedeutende Anhöhen sind die Serrahner Berge mit 124,2 m ü. NN. Am 25. Juni 2011 wurden Teile dieses Schutzgebietes zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt.
Als eine der letzten Amtshandlungen der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gelang es dem damaligen stellvertretenden Umweltminister Michael Succow zusammen mit weiteren engagierten Naturschützern im Rahmen des Nationalparkprogramms, mehrere Großschutzgebiete (Nationalparks, Biosphärenreservate) auszuweisen, darunter auch 320 km² inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte.
Während der Zeit der DDR war in dieser Region ein sogenannter „produktionsintegrierender Naturschutz“ propagiert worden. Das extrem dünn besiedelte Land wurde für militärische Übungen, Karpfenzuchten und Staatsjagden sowie eine intensive Forst- und Landwirtschaft genutzt. Der Bevölkerung war das Betreten der als Staatsjagdgebiet genutzten Wälder untersagt. Zwölf Kilometer der Uferzone der Müritz standen allerdings auch schon zu DDR-Zeiten unter strengerem Naturschutz.
Die intensive Forstwirtschaft hat dafür gesorgt, dass monotone Kiefernforste den Nationalpark heute noch prägen. Eine Entwicklung hin zu naturraumtypischem Laubwald ist von der Nationalparkverwaltung eingeleitet, jedoch wird dieser Prozess mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen. In einem separaten Areal im Osten des Nationalparks, auf den Hügeln von Serrahn, lässt sich jedoch schon besichtigen, welches Gesicht das Gebiet tragen wird, wenn sich Waldgesellschaften wieder ungestört gemäß den natürlichen Bedingungen entwickeln können. Hier findet man einen größeren, urwaldartigen Bestand alter Rotbuchen.
Die von der DDR-Verwaltung fortgesetzte Entwässerung des Gebiets durch Kanäle und Gräben senkte den Grundwasserspiegelkontinuierlich. Ausgedehnte Birkenwälder entstanden im Lauf der Jahre. Die Nationalparkverwaltung hat Kanäle und Gräben verschlossen und somit das Grundwasser auf das ursprüngliche Niveau angehoben. In der Folge starben Birken ab, die eigentliche Flora entsteht langsam wieder. Da der Prozess ohne weiteren Eingriff durch den Menschen verläuft, sind derzeit ausgedehnte Flächen mit Birkenstümpfen zu sehen.
Touristisch ist der Nationalpark mit Wander- und Fahrradwegen, Rastplätzen, Aussichtstürmen und Beobachtungsständen gut erschlossen. Von Mai bis Oktober bedienen seit 1997 im Rahmen des Nationalparktickets Linienbusse (mit Fahrradtransportanhängern) zahlreiche Haltestellen im für Kfz gesperrten Parkbereich. In Waren gibt es seit 2007 mit dem Müritzeum ein Informations- und Naturerlebniszentrum für die Nationalparkregion. Seit 2005 gibt es die Initiative der Müritz-Nationalpark-Partner, eine Kooperation von 47 überwiegend touristischen Betrieben, die eng mit der Nationalparkverwaltung zusammenarbeiten.
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